Sich nur auf Reisen zu Hause fühlen?

Sich nur auf Reisen zu Hause fühlen?

Vor kurzem bin ich auf einen Beitrag über Fernweh von ze.tt, Partner von ZEIT ONLINE, gestoßen. Darin begibt sich die Autorin Jessica Wagener auf die Suche nach der Antwort auf die Frage, warum es woanders immer schöner ist. Alles in allem ein sehr schöner Artikel, der verschiedene mögliche Erklärungen dafür liefert, wieso einige Menschen unter ständigem Fernweh leiden und andere lieber zu Hause bleiben. Ein Satz hat mich jedoch zum Nachdenken gebracht – und zwar: „Ich fühle mich nur auf Reisen zu Hause – und bin damit nicht alleine“.

Nur auf Reisen zu Hause?

Tatsächlich kenne ich das Gefühl, sich überall auf der Welt zu Hause zu fühlen. Ob im Zelt auf einer einsamen Insel in Mexico, in der amerikanischen Großstadt oder im laotischen Dschungel – ich fühle mich schon nach kurzer Zeit in jeder Umgebung wohl. Dass das vielleicht nicht für jeden Menschen so selbstverständlich ist wurde mir vor kurzem wieder bewusst, als ich nach wenigen Tagen in Hongkong mit neugewonnenen Freunden auf dem Rückweg in unser Studentenwohnheim war und auf mein fröhliches „das fühlt sich schon richtig an wie nach Hause zu kommen!“ einige unverständliche Blicke geerntet habe. Aber das selbe Gefühl habe ich auch in Österreich – sowohl in meinem Heimatdorf, in dem ich aufgewachsen bin, als auch in Innsbruck, wo ich seit 4 Jahren lebe. Daher kann ich nicht behaupten, mich ausschließlich auf Reisen zu Hause zu fühlen.

Heimat in sich tragen

Warum aber zieht es manche Menschen ständig in die Ferne, während andere genauso glücklich zu Hause sind? In diesem Artikel hier habe ich bereits versucht zu erklären, warum man für längere Zeit ins Ausland geht. Der eingangs genannte Artikel der ze.tt beschäftigt sich mit wissenschaftlicheren Fakten dazu, warum manche mehr Fernweh haben als andere. Einerseits weist er auf eine vermutlich höhere genetisch veranlagte Risikobereitschaft hin, andererseits auf die Rolle der Sozialisation durch Familie und Freunde. Außerdem räumt er ein, dass viele Menschen wohl aus einem Fluchtreflex wegen Defiziten zu Hause immer wieder das Glück in der Ferne suchen – und durch den temporären Ortswechsel wieder ins Gleichgewicht geraten. Ich stimme zu, dass eine Reise oft eine Flucht vom Alltag ist und man sich dann woanders möglicherweise in dem Moment eher zu Hause fühlt als in seinem Alltagsleben mit all seinen Problemen. Oft aber stellt man auf Reisen auch fest, dass man seine Probleme nicht zu Hause gelassen hat. Denn seinen Kopf und dessen Gedanken kann man nun einmal nicht so einfach zurücklassen. Daher glaube ich: Wer sich überall auf der Welt zu Hause fühlen möchte, muss vor allem mit sich selbst im Reinen sein. Ich habe das Glück, daheim in Österreich sowie an vielen anderen Orten der Welt eine tolle Familie und wunderbare Freunde zu haben. Und so kitschig das klingt: Diese in meinem Herzen (und meinem Handy mit Internetzugang) zu haben – vielleicht ist es das, was mich überall auf der Welt das Gefühl von Geborgenheit und Heimat haben lässt?

Überall die schönen Dinge zu sehen und die schlechten zu akzeptieren

Ein weiterer Punkt, den der Artikel aufbringt, ist, dass Backpacker immer auf der Suche nach dem Paradies sind, in dem es keine Konflikte gibt – nach mehr Freundlichkeit und weniger Stress. Je mehr ich reise, umso mehr entdecke ich, dass es so viele wunderschöne Orte auf dieser Welt gibt – mit unglaublicher Natur, erstaunlichen Bauwerken und den herzlichsten Menschen. Zugleich aber stelle ich fest, dass keiner dieser Orte perfekt ist. Manchmal ist es die politische Lage, die Art wie die Menschen dort mit der Natur oder den Menschenrechten umgehen oder einfach nur eine kulturelle Begebenheit, die mir nicht gefällt. Dies gilt genauso für meine Heimat in Österreich wie für alle anderen Länder, in denen ich bisher war.
Für mich persönlich heißt Heimat, die schönen Dinge an einem Ort zu sehen, und die schlechten zu akzeptieren. Vielleicht ist es das, was mich dazu bringt, mich überall auf der Welt zu Hause zu fühlen: Ich fokussiere mich auf die vielen schönen Dinge, die der Ort zu bieten hat, an dem ich mich gerade aufhalte, und genieße sie. Genauso aber erinnere ich mich aber auch an seine schlechten Seiten, wenn ich den Ort verlasse und woanders meine Zelte aufschlage. Das hilft mir, den Abschied (wenn er auch nur für kurze Zeit ist) zu akzeptieren und offen zu sein für all die schönen Dinge, die er neue Ort zu bieten hat.
Wie ist das bei dir? Fühlst du dich auch überall zu Hause? Oder nur auf Reisen?

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