Sprossen selber ziehen – das kleine Grün am Fensterbrett zu jeder Jahreszeit

Sprossen selber ziehen – das kleine Grün am Fensterbrett zu jeder Jahreszeit

Vor allem im Winter, wenn draußen nichts Essbares wächst, sehnen wir uns häufig nach etwas Grünem. Wer dabei nicht nur auf weit gereistes Gemüse aus dem Supermarkt oder Tiefkühlware zurückgreifen will, dem zeige ich heute eine Möglichkeit, Sprossen als leckere kleine Vitamin- und Nährstoffbomben in wenigen Tagen am Fensterbrett selbst zu züchten.

Schon mit einfachen Mitteln und ohne grünen Daumen (glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung!) ist es möglich, sich selbst Sprossen zu ziehen. Dabei werden Samen zum Keimen gebracht und schon nach wenigen Tagen als Jungpflanzen geerntet. Diese Jungpflanzen enthalten viele verschiedene Vitamine und Nährstoffe, die in den Samen nicht vorhanden waren und auch in einer ausgewachsenen Pflanze nicht mehr in dieser konzentrierten Form vorkommen würden.
Geeignet sind zum Sprossenanbau alle Pflanzenarten, die schnell keimen und deren Keimlinge ungiftig sind. Am wohl bekanntesten ist die Kresse. Auch Sojabohnen (auch Mungobohnen genannt) gibt es oftmals fertig gezogen im Supermarkt. Diese werden bevorzugt in der asiatischen Küche, zum Beispiel in Frühlingsrollen, verwendet. Weitere Sprossen, die leicht zu ziehen sind, sind beispielsweise Rucola, Weizen, Alfalfa, Radieschen oder Linsen. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrem Geschmack, sondern auch in ihrer Keimdauer und den Nährwerten. Daher lohnt es sich, unterschiedliche Pflanzenarten auszuprobieren. Kaufen kann man keimfähige Samen in jedem Bioladen. Oftmals gibt es auch sogenannte „Fitnessmischungen“ oder „Probiermischungen“, bei der unterschiedliche Samen in einer Packung angeboten werden.

Verwendung von Sprossen

Sprossen können und sollen am besten roh gegessen werden, damit sie ihre Inhaltsstoffe nicht durch Erhitzen verlieren. Sie schmecken zum Beispiel gut am Brot mit Butter oder Aufstrich. Natürlich kann man sie auch pur als gesunden Snack zwischendurch knabbern oder als essbare Dekoration und Einlage für Suppen verwenden. Ebenso kann man Sprossen in Salaten essen oder im einem (Green) Smoothie verarbeiten. Mehr zum Thema Green Smoothie findet ihr übrigens hier.

Und so funktioniert‘s:

Prinzipiell benötigt man zum Anbau von Sprossen nur keimfähige Samen, Wasser, Luft, Licht und entweder ein Einmachglas oder einen Keimapparat.

Anbau im Keimapparat

Am einfachsten ist das Anbauen von Sprossen in einem eigenen Keimapparat. Dabei handelt es sich um einige runde Schalen, die man übereinanderstellen kann. Die oberste Schale dient der Wasserzufuhr, die unterste dem Wasserfang und die mittleren den Samen. Hat man die Samen einmal in dem Keimapparat, muss man nur 1-3x pro Tag Wasser in die oberste Schale gießen. Durch Löcher in den Schalen fließt das Wasser langsam durch den ganzen Keimapparat und bleibt anschließend in der untersten Schale. Dadurch werden die Samen gegossen und bleiben feucht, aber nicht im Wasser stehen.

Vorteile:

+ sehr einfache Bedienung
+ führt auch bei Anfängern meist zu Erfolg
+ geeignet für unterschiedliche Sprossenarten auf einmal (je nach Schalenanzahl, meist 3)

Nachteile:

– teurer in der Anschaffung (ca. 30€)
Update: Ich habe einen relativ günstigen Sprossenturm auf Amazon* gefunden.

Anbau im Einmachglas

Möchte man nicht gleich in einen Keimapparat investieren, kann man auch versuchen mit einem Einmachglas Sprossen zu züchten. Dafür gibt man die Keimlinge in ein leeres, sauberes Marmeladeglas, das man mit einem Sieb verschließt. Alternativ kann man auch ein Fliegengitter oder einen dünnen (Mull)Stoff als Deckelsieb verwenden. Es gibt auch schon spezielle Sprossengläser zu kaufen, die mit einem Plastik- oder Metallsieb ausgestattet sind.
1-3x pro Tag gießt man Wasser in das Glas um die Samen zu spülen, das man dann kurz danach durch das Sieb wieder abgießt. Danach stellt man das Glas schräg auf, sodass auch das Restwasser noch abtropfen kann.

Vorteile:

+ billige Anschaffung

Nachteile:

– nur eine Sorte pro Glas möglich
– schwieriger zu Keimen
– schwierigere Hygienebedingungen

Gefahren

Im feuchten Milieu keimen leider nicht nur gerne die Sprossen, sondern es bilden sich auch leichter Bakterien. Wenn es beim Sprossenanbau nicht ganz hygienisch zugeht, die Samen zu feucht gehalten oder nicht ausreichend Luft bekommen, können sie leicht zu schimmeln anfangen oder einen unangenehmen Geruch entwickeln. Diese Sprossen sollen dann nicht mehr gegessen werden! Um zu verhindern, dass sich schlechte Bakterien bilden, sollten der Keimapparat oder das Einmachglas immer sauber gehalten und vor jedem Gebrauch heiß gespült werden. Außerdem darf das Wasser die Samen nur befeuchten, sie dürfen keinesfalls länger als ein paar Minuten darin schwimmen.

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen zu den unterschiedlichen keimfähigen Pflanzenarten, ihren Nährstoffen, dem Anbau und den Hygienebedingungen findet ihr zum Beispiel hier: http://sprossen-selbstgemacht.de/
Warum Sprossen als Superfood gelten, lest ihr hier nach.
Wie ihr Sprossen in Green Smoothies verwenden könnt, erfährt ihr hier.
Wer gerne mehr über Sprossen und ihre Anzucht lesen will, dem kann ich dieses Buch* empfehlen. Darin finden sich auch einige Rezepte.

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